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Andacht für Karfreitag

Eingang: 01.04.2021, Veröffentlicht: 01.04.2021

Andacht für Karfreitag
Für die Osterzeit werden statt der Hoffnungsbriefe zwei Andachten für Karfreitag und Ostersonntag bereitgestellt.
Falls Sie die Gottesdienste am Karfreitag oder die Osternnacht nicht besuchen, wird am Gründonnerstag die Andacht für Karfreitag und am Samstag die Andacht für Ostersonntag veröffentlicht. Die Andacht für Karfreitag kann zum Druck als PDF heruntergeladen werden.


KARFREITAG ZUHAUSE


Legen Sie eine Bibel, eine angezündete Kerze und, wenn Sie haben, auch ein Kreuz auf einen Tisch.
Kommen Sie innerlich zur Ruhe.

Eröffnung:
“So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.” Diesen Vers hören wir zu Weihnachten und hören ihn wieder am Karfreitag. Weihnachten kam Gottes Sohn in die Welt, Karfreitag hat er das irdische Ziel erreicht. Das Kreuz. Am Ziel und doch verlassen. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Lied: EG 87 Du großer Schmerzensmann
1. Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen,
Herr Jesu, dir sei Dank für alle deine Plagen:
für deine Seelenangst, für deine Band und Not,
für deine Geißelung, für deinen bittern Tod.

2. Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet,
was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet.
Ach unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan;
o unbeflecktes Lamm, was hast du sonst getan?

3. Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben;
in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben.
Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,
dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.
Text: Adam Thebesius (1652) 1663
Melodie: Martin Jan (1652) 1663
Liebe Gemeinde,

am heutigen Karfreitag möchte ich Ihnen mein persönliches Lieblingslied nahebringen. Es ist voller Innigkeit und hat eine eingängige Melodie, die uns diesen Tag in seinem doppelten Geschehen nahebringt. Für Jesus das bittere Ende seines Erdenlebens, aber doch die Erfüllung seines Auftrages, uns etwas abzunehmen, was wir selbst nicht leisten können.

Goethe lässt am Ende seines Buches “Faust” folgende Moral stehen: “Wer strebend sich bemüht, den können wir erlösen!” Es ist eine Moral, die Gott und den Menschen in Einklang zeigt, beide am gleichen Strang ziehend. Für viele Menschen ist das Gerechtigkeit, dass sich derjenige, der sich im Leben um das Gute bemüht hat, nicht untergeht, sondern erlöst wird. In unserem christlichen Glauben ist aber jede Mitwirkung des Menschen ausgeschlossen. Schon die zweite Strophe zeigt uns, wer die Schuld am Tode Jesu trägt: “Ach das hat unsere Sünd und Missetat verschuldet, was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet.” Ganz ähnlich wie viele andere alte Passionslieder geht unser Passionslied vom Gedanken des Sühnetodes aus. Der Sühnetod verbindet den sterbenden Jesus mit dem Erlösten so, dass der Erlöste den Grund für den Sühnetod Jesu darstellt. Ganz konsequent singen wir weiter: “Ach unsre Sünd bringt dich ans Kreuz hinan.” Dieser Gedanke, dass ich der bin, für den Jesus gestorben sei, ist dem modernen Menschen unerträglich. Deswegen haben etliche moderne Theologen sich völlig vom Gedanken des Sühnetodes verabschiedet.

Aber einer muss doch schuld sein am Tode Jesu? Dieser Gedanke hat nun die üble Folge, dass die Juden ins Kreuzfeuer geraten. Sie schrien das “Kreuzige”, als Pontius Pilatus den vom jüdischen Hohen Rat angeklagten Jesus dem Volk zeigte, und ihm nahelegte ihn zu begnadigen, da, wie Pilatus offen sagte: ich keinerlei Schuld an ihm finde. Dass wir weder den Juden allgemein noch bestimmten historischen Juden - wie z. B. dem Vorsitzenden des Hohen Rates Kaiphas - die Schuld geben, verbietet sich nach Auschwitz von selbst. Dass es aber nur ein Trick war, den Pontius Pilatus anwandte, um als oberster Richter und durchaus zu Grausamkeiten fähig, von seiner Verantwortung für Kreuzigungen abzulenken, ist unwahrscheinlich. Die Kreuzigungsmethode ist typisch römisch und wurde an allerlei Aufrührern und Unruhestiftern häufig vollstreckt. Der jüdische Theologe Pinchas Lapide hat bemerkt, dass die frühe Christenheit, wenn sie im Römischen Reich je Erfolg haben wollte, kaum ihren Jesus als Opfer eines römischen Justizirrtums oder eines bewussten Mordes beschreiben konnte. Sonst wäre die Verfolgung der Christen als Staatsfeinde wohl bis in Ewigkeit bestehen geblieben.

Ich nehme daher den Faden des traditionellen Glaubens wieder auf: den Gedanken des Sühnetodes. Luther und sämtliche andere Reformatoren stehen dahinter. Alles, was auf Golgatha geschehen ist, hat mit mir und uns heute zu tun, weil es um unseretwillen geschah. Der Kreuzestod, so fern er uns heute auch erscheinen mag, ist eben jene fremde Gerechtigkeit Gottes, die mich allein rechtfertigen kann. Sich mit Gott zu versöhnen, das kann keiner für sich selbst erreichen. Denn keiner von uns ist nur gut, kein Mensch ist vor Gott gerecht. Erlöst werden kann nur, wer allein auf Gottes Gerechtigkeit vertraut. Es gilt allein der Glaube, allein Christus. Der Mensch handelt als Sünder, Gott allein als Retter.

In der fünften Strophe heißt es: “Dein (Jesu) Angst komm uns zugut, wenn wir in Ängsten liegen; durch deinen Todeskampf lass uns im Tode siegen.” Wir liegen seit die Seuche wieder regiert wahrlich in Ängsten. Wir sorgen uns weniger ums Seelenheil als um Gesundheit und weitere Lebensjahre. Unser Glaube hat keine magische Qualität, die das Virus abwehren kann, aber die geistliche Qualität, um besonnen, liebevoll und lebenstüchtig zu bleiben. Alles hat seinen guten Sinn, wenn wir an das Wort des heutigen Tages denken (Joh 3,16): Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Amen.


Lied: EG 87 Du großer Schmerzensmann
4. O hilf, dass wir auch uns zum Kampf und Leiden wagen
und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen;
hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron,
wenn’s kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn.

5. Dein Angst komm uns zugut, wenn wir in Ängsten liegen;
durch deinen Todeskampf lass uns im Tode siegen;
durch deine Bande, Herr, bind uns, wie dir’s gefällt;
hilf, dass wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt.

6. Lass deine Wunden sein die Heilung unsrer Sünden,
lass uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen.
O Jesu, lass an uns durch dein Kreuz, Angst und Pein
dein Leiden, Kreuz und Angst ja nicht verloren sein.

Fürbitten:
I: Jesus Christus, gekreuzigter und auferstandener Herr, wir sehen dein Kreuz. Du gehst den Weg der Hingabe und des Leidens. Du verzichtest auf alle Macht. Du lässt dich hineinziehen in das Elend der Welt. Höre unsere Bitten:
II: Wir sehen dein Kreuz und erkennen die Bosheit und den Unfrieden der Welt. Lass uns nicht wegschauen, wenn Unrecht geschieht. Hilf uns, eigenes Lied anzunehmen und fremdes Leid mitzutragen.

Vaterunser..........................Pusten Sie danach die Kerze aus.

Segen: Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir – und mit dir seiner ganzen Welt Frieden. Amen
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